Donnerstag, 13. Juli 2017

Wut- und Hassgeschichten.

Wir haben zugelassen, dass alles aus der Bahn gerät, haben gedankenlos konsumiert und währenddessen weltverbessernd daher geredet.
- Du hast beim Shoppingtrip durch den Primark darüber philosophiert, wie grausam die Ausbeutung zahlreicher Menschen toleriert und gefördert wird, hast an deinem Nestlewasser genippt und dich darüber aufgeregt, dass ein Kind auf deine strahlend weißen Adidasschuhe getreten ist und einen Schuhabdruck darauf hinterlassen hat. Du hast die Augen geschlossen, denn du hältst dich an die Spielregeln der Sonderedition Monopoly "Alltag".
Du verurteilst Menschen wegen ihrer Kultur, Hautfarbe oder Sprache, forderst aber Gleichberechtigung, die dir selbst Nutzen bringt. All das rechtfertigst du dann mit weit hergeholten Ängsten und Sorgen, tarnst den Rassismus unter dem Deckmantel des Selbstschutzes. Wohlgenährt sitzt du vor dem Fernseher, in dem die Tagesschau über Gewalt und Hass berichtet und überlegst angestrengt, ob du lieber einen Joghurt oder ein Stück Schokolade zum Nachtisch essen möchtest, ach egal, einfach beides! Bei einem kurzen Blick auf die Glotze bleibt dir dann die halbe Tüte Chips im Hals stecken und du spuckst empört die Krümel auf die weiße Ledercouch, weil ein Migrant mit einem Mobiltelefon gezeigt wird. Und du denkst, es gibt noch mehr von ihnen und sie alle sind nur hier, um dich auszubeuten, dich allein. Aber du bist kein Rassist, nein, denn es geht ja nicht um deinen Nachbarn aus dem Iran, deine Schwägerin aus der Türkei, den Postboten aus Syrien oder deine bulgarische Putzfrau, es geht dir nur um die, die gefährlich sind und für dich ist jeder potentiell gefährlich, den du nicht kennst. Du bist nicht intolerant, du hast nur deinen Standpunkt und sowieso bildest du dich jeden Tag weiter mit der BILD und schaust erschüttert dabei zu, wie dein Land sich hinrichtet. Doch was du nicht siehst, ist, dass du es bist, der mit einer Waffe auf die Welt zielt. Was wir nicht sehen, ist, dass wir alle mit Waffen auf die Welt zielen. Der Hass, geschürt durch die Angst vor Terrorismus, ist der Keil der zwischen uns alle getrieben wird. Wir wollen den Terrorismus bekämpfen, spielen den Organisationen aber in die Karten, weil wir auf unsere eigenen Leute schießen. Aber jetzt ist es spät, schon 20:15 Uhr, gleich lenkst du dich ab mit der Komödie zur Primetime, also musst du leider alle Gedankengänge unterbrechen und eigentlich bringt es ja eh nichts, denkst du dir, denn man kann ja eh nichts ändern, denn so sind nunmal die Spielregeln und an die hältst du dich.

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